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Challenge gemeistert

Im Rahmen der „European Truck Platooning Challenge 2016“ legten zwei MAN-Trucks die rund 900 Kilometer von München nach Rotterdam im Platoon zurück. Den Startschuss gab ein prominenter Gast aus Berlin. Projektleiter Daniel Heyes und sein Team berichten über die Herausforderungen des Projekts.

MAN-Platoon fährt auf der Autobahn

Es ist der 4. April 2016, 14.00 Uhr. Am MAN Truck Forum in München Karlsfeld stehen zwei orangefarbene Lkw mit der Aufschrift „MAN Truck2Truck“ abfahrbereit vor der Tür. Josef Lachheb und Beifahrer Xaver Römersperger haben bereits im vorderen Truck Platz genommen. In den hinteren Lkw steigen soeben Andreas Resch und Stefan Jerg.

Die Platooning-Challenge

Journalisten haben sich vor dem Eingang des MAN Truck Forums versammelt und warten auf einen prominenten Gast aus Berlin: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt soll das Startsignal geben für die Pionierfahrt in die Niederlande. Im Rahmen der „European Truck Platooning Challenge 2016“, einer Initiative der niederländischen Regierung während ihrer EU-Ratspräsidentschaft, schicken verschiedene europäische Hersteller Lkw von ihren Heimatstädten aus nach Rotterdam. Keine gewöhnliche Fahrt, denn die Trucks sind mittels digitaler Datenübertragung zu Platoons verbunden und können in kurzen Abständen automatisiert hintereinander fahren. Platooning-Konzepte gewinnen international an Bedeutung: Sie reduzieren CO2-Emissionen, sparen Kraftstoff, entlasten die Fahrer und erhöhen die Sicherheit auf den Straßen.

Joachim Drees, Andreas Renschler und Alexander Dobrindt (von links nach rechts) geben das Startsignal für den MAN-Platoon

Startschuss: im MAN-Platoon nach Rotterdam

Schließlich ist es soweit: Dobrindt drückt den roten Push-Button, der auf einem Podest vor dem MAN Truck Forum aufgebaut ist – zusammen mit Andreas Renschler, CEO der Volkswagen Truck & Bus GmbH, und Joachim Drees, CEO der MAN Truck & Bus AG. Das ist das Startzeichen für die Fahrer: Lachheb setzt den vorderen Truck in Bewegung, Resch folgt im hinteren Fahrzeug. Die beiden Lkw passieren die Startlinie und biegen ab auf die Straße. Nach einigen Metern übernimmt Lachheb im vorausfahrenden Truck die Steuerung über beide Fahrzeuge. Der hintere Lkw rückt auf eine Distanz von 13 Meter an den vorderen heran, eine digitale Verbindung zwischen den Fahrzeugen baut sich auf. Gekoppelt als Platoon geht es nun los in Richtung Rotterdam.

13 Stunden und 880 Kilometer später erreicht der Platoon um 3 Uhr nachts seinen Zielort. Das technische Konzept ist aufgegangen: Beinahe durchgehend konnten die Fahrzeuge die Strecke von München nach Rotterdam im Platoon zurücklegen. Nun heißt es erst einmal Ausruhen. Denn morgen, am 6. April 2016, präsentieren alle Hersteller ihre Platooning-Systeme in einer großen Veranstaltung am Rotterdamer Hafen.

Projektleiter Daniel Heyes und sein Team im Interview

Für Projektleiter Daniel Heyes war die Fahrt nach Rotterdam ein voller Erfolg, denn er kennt die Herausforderungen des Projekts:

Herr Heyes, was war für Sie die Challenge beim Platooning-Projekt?
Beim Platooning spielen hochkomplexe Komponenten zusammen. Die technische Herausforderung war, diese so abzustimmen, dass der Platoon einfach zu bedienen ist, effizient fährt und dabei jede Situation sicher beherrscht. Daneben waren zulassungsrechtliche Fragen zu klären. Schließlich muss in Deutschland jedes Bundesland und auch die niederländische Zulassungsbehörde grünes Licht geben.

Was zeichnet das Fahrzeugkonzept von MAN aus?
MAN beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Platooning. Wir haben Wert darauf gelegt, es dem Fahrer so einfach wie möglich zu machen und eine intuitive Bedienphilosophie entworfen, die den Platooning-Betrieb zusammen mit der Anzeige kinderleicht macht. Außerdem haben wir gelernt, dass sich eine Zweierkombination für die dicht befahrenen Straßen Europas am besten eignet.

Sehen Sie Einsatzmöglichkeiten von Platoons in der Praxis?
Ja, auf jeden Fall. Zukünftig werden Platoons auf der Straße nicht mehr ungewöhnlich sein. Die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen sorgt für blitzschnelle Reaktionen und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Außerdem senken Platoons den Kraftstoffverbrauch und erhöhen die Transporteffizienz auf den Straßen.

Wie geht es bei MAN nach der „European Truck Platooning Challenge 2016“ auf diesem Gebiet weiter?
Unsere Technik hat sich auf der langen Fahrt bewährt. Jetzt gilt es, den Elan, den die Challenge herstellerübergreifend erzeugt hat, weiter zu nutzen. Wir müssen an den Kommunikationsstandards der Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller arbeiten und Zulassungsfragen klären. Die Platooning-Challenge hat ein Zeichen gesetzt: Die nächsten Schritte zum automatisierten Fahren müssen wir gemeinsam gehen.


Auch die Entwickler, die in den beiden Trucks dabei waren, sind begeistert von der Platooning-Fahrt:

Herr Römersperger, Sie saßen als Beifahrer im vorderen Lkw. Die Fahrer im Führungstruck haben die Aufgabe, den Platoon zu steuern. Auf was mussten Sie achten?
Als Fahrer des ersten Lkw ist man verantwortlich für das Folgefahrzeug und muss immer ein Auge darauf haben. Durch die vielen Testkilometer auf der Autobahn entwickelt man aber eine gewisse Routine und weiß, worauf man achten muss. Man lernt das eigene System kennen. Daneben haben wir auch die Navigation nach Rotterdam übernommen.

Was sind die Herausforderungen auf der Autobahn?
Auch bei kurzem Abstand scheren gerade an Auf- und Abfahrten immer wieder Pkw zwischen die Platooning-Fahrzeuge ein. Das System ist auf solche Situationen vorbereitet und löst den Platoon automatisch auf. An Baustellen und bei dichtem Verkehr haben wir im vorderen Fahrzeug das System deaktiviert. Der Fahrer im hinteren Fahrzeug wird durch das durchdachte Bedien- und Anzeigekonzept schnell über die Auflösung des Platoons informiert. Es bleibt also genügend Zeit, um die Steuerung des Fahrzeugs wieder selbst zu übernehmen.

Herr Jerg, Sie waren auf dem Weg nach Rotterdam Beifahrer im Folgefahrzeug und haben den Platoon selbst viele Kilometer im Testbetrieb gefahren. Wie war es für Sie, als Sie das allererste Mal die Steuerung über ihr Fahrzeug abgegeben haben?
Das war ein tolles Erlebnis, als auf der Teststrecke alle hochkomplexen Teilsysteme miteinander harmonierten und ich im hinteren Fahrzeug bei einem Abstand von nur 13 Metern die Steuerung komplett an das Fahrzeug abgeben konnte. Eine spannende Frage jetzt bei der Challenge war, wie sich mehrere Stunden automatisierten Fahrens mit kurzem Abstand anfühlen würden. Doch das Platooning-System funktioniert zuverlässig, ich konnte jederzeit darauf vertrauen. Somit war jeder zurückgelegte Kilometer auf dem Weg nach Rotterdam entspannt und sicher.

Wie haben Sie die „European Truck Platooning Challenge 2016“ erlebt?
Die Challenge war eine hervorragende Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass bei MAN-Lkw Effizienz und Sicherheit mit Hilfe modernster Technologien an oberster Stelle stehen. Die Challenge hat maßgeblich dazu beigetragen, das Thema automatisiertes Fahren von Nutzfahrzeugen zurück ins Rampenlicht zu rücken und voranzutreiben. Dass so viele Hersteller teilgenommen haben, beweist, dass hier alle an einem Strang ziehen wollen.

Das MAN Platooning-Projekt in Bildern:

Daniel Heyes vor dem Führungsfahrzeug des MAN-Platoons

Zufriedener Projektleiter

Daniel Heyes, Platooning-Projektleiter bei MAN: „Dank unserer Erfahrung aus früheren Projekten und der intensiven Erprobung unseres Platoons verlief die Fahrt nach Rotterdam völlig problemlos.“

Der MAN-Platoon passiert die Startlinie vor dem MAN Truck Forum

Auf die Plätze, fertig, los!

Der Startschuss ist gefallen, der MAN-Platoon startet in Richtung Rotterdam. 900 Kilometer liegen vor den Fahrern.

Das MAN Platooning-Team steht jubelnd vor dem MAN-Platoon am Rotterdamer Hafen

Überzeugendes Teamwork

Die Fahrt nach Rotterdam verlief reibungslos, das System funktioniert zuverlässig. Das MAN Platooning-Team freut sich über den Erfolg ihres Projekts.

Das Lenkrad im MAN-Platoon ermöglicht eine intuitive Bedienung des Systems

Intuitive Bedienung

Mittels Tasten auf dem Lenkrad kann der Fahrer des Führungsfahrzeuges das Platooning-System einfach aktivieren und wieder deaktivieren.

Die Anzeige im MAN-Platoon bietet neben Drehzahlmesser und Tachometer auch einen Überblick über das Platooning-System

Alles im Blick

Mit Hilfe der Anzeige haben die Fahrer stets einen Überblick über Drehzahl und Geschwindigkeit, aber auch über den Abstand der Fahrzeuge zueinander.

Stefan Jerg, Andreas Resch, Josef Lachheb und Xaver Römersperger (von links nach rechts) vor dem MAN-Platoon

Hinter dem Steuer

Stefan Jerg, Andreas Resch, Josef Lachheb und Xaver Römersperger (v.l.n.r.) haben den MAN-Platoon nicht nur nach Rotterdam gefahren, sie waren auch maßgeblich an der Entwicklung des Platooning-Systems beteiligt.

Zwei MAN TGX stehen nachts nebeneinander am Rotterdamer Hafen

Hallo Rotterdam!

Nach 13 Stunden Fahrt hat der MAN-Platoon um 3 Uhr nachts seinen Zielort erreicht.

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