Innovation 

Think XXL: Freie Fahrt für Lang-Lkw

Seit Anfang Januar 2017 sind Lang-Lkw auf bestimmten Strecken für den Regelbetrieb zugelassen. Unterwegs mit Matthias Lesse, Fahrer von „Logistik in XXL“.

Matthias Lesse im Laderaum des Lang-Lkw
Lkw-Fahrer Matthias Lesse im Laderaum des Lang-Lkw

EuroCombi, Lang-Lkw, Gigaliner, Riesen-Brummi – die neue Dimension des Straßentransports hat viele Namen. Als 2012 in Deutschland der Feldversuch mit den Großlastwagen begann, hatte sich Berufskraftfahrer Matthias Lesse sofort gemeldet, um in seiner Firma den neuen 25,25 Meter langen Zug zu fahren. „Ich war total neugierig, wie es sich anfühlt, mit einem sechseinhalb Meter längeren Fahrzeug unterwegs zu sein“, sagt der Magdeburger. „Es war klasse. Obwohl man als Fahrer den Unterschied schnell nicht mehr merkt.“

Als Matthias Lesse heute Morgen am Kreuz Neufahrn auf den Beschleunigungsstreifen zur A9 fährt, signalisiert der Sattelzug auf der rechten Autobahnspur mit der Lichthupe, dass der Lang-Lkw von „Logistik in XXL“ einscheren kann. Beim Überholen lächelt der Kollege und hebt den Daumen. Lesse erwidert den Gruß. „Vor vier Jahren war ich mit meinem Truck noch ein Exot, da haben andere Fahrer am Parkplatz sogar Fotos von meinem Zug gemacht. Heute fällt es weniger Menschen auf.“

Matthias Lesse ist seit vier Jahren mit seinem Lang-Lkw auf der Strecke München – Braunschweig unterwegs. Anders als herkömmliche Lkw, die mit Anhänger eine Länge von bis zu 18,75 Metern erreichen, können die übergroßen Fahrzeuge 25,25 Meter lang sein. Wie bei ihren „kleinen Brüdern“ darf allerdings das zulässige Gesamtgewicht 40 Tonnen – beziehungsweise 44 Tonnen im kombinierten Verkehr – nicht überschreiten.

Heute transportiert Matthias Lesse mit seinem Lang-Lkw TGX- und TGS-Kabinen aus dem MAN-Werk in Karlsfeld nach Braunschweig, wo sie für den Containerversand zu MAN-Montagewerken in Übersee erwartet werden. Eigentlich unterscheide sich der Fahrbetrieb nicht groß vom „normalen“ Fahren, erklärt Lesse: „Ich bekomme dabei Unterstützung von verschiedenen Sicherheitssystemen, zum Beispiel dem Spurhalteassistenten und dem Abstandsgeregelten Tempomaten, der Auffahrunfälle vermeidet und Standards wie das Elektronische Stabilitätsprogramm ESP, das Antiblockiersystem ABS und Antriebsschlupfregelungen (ASR) umfasst. Zum Rangieren ist eine Rückfahrkamera vorgeschrieben – „aber ich bin mittlerweile so mit dem Fahrzeug vertraut, dass ich die fast nie brauche“, meint er.

Wenn Thomas Furtmair, Leiter Wareneingang und Versand der MAN Truck & Bus AG, der das Lang-Lkw-Projekt von Anfang an begleitet hat, eine Bilanz zieht, fällt diese durchweg positiv aus: „Statt fünf können wir nun acht Kabinen mit einer Fracht auf den Weg bringen“, sagt Furtmair, „40 Prozent mehr Ladevolumen als ein konventioneller Sattelzug bringen einen offensichtlichen Vorteil. Zwei Lang-Lkw können dieselbe Menge transportieren wie drei konventionelle Sattelzüge“, fasst er zusammen. Tatsächlich hat das größere Transportvolumen zu einem deutlich reduzierten CO2-Ausstoß geführt und bis zu 27 Prozent Kraftstoffeinsparung gegenüber einem Standard-Equipment gebracht. „Das ist mehr, als wir erwartet hatten“, sagt Furtmair. Außerdem fielen die Kosten für die Fahrer und die Maut deutlich geringer aus.

Ausdrücklich bestätigt wird Furtmairs Einschätzung durch den Bericht des Bundesamtes für Straßenverkehr (BASt), der eine wichtige Grundlage für die weitreichende Freigabe im Regelverkehr schafft. „Die dauerhafte Zulassung des Lang-Lkw auf den dafür geeigneten Strecken ist gut für die Umwelt und gut für den Logistikstandort Deutschland“, stellt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt fest. Daumen hoch für Straßentransporte in einer neuen Dimension.

Gabelstapler mit MAN-Fahrerkabine

Platz satt

40 Prozent mehr Ladung passen in den Lang-Lkw. So bietet er statt fünf – wie ein herkömmlicher Lkw – acht TGX- und TGS-Kabinen Platz.

Matthias Lesse im voll beladenen Lang-Lkw

Längst Alltag

Für Matthias Lesse ist das Fahren mit dem Lang-Lkw nichts Neues mehr. Er ist seit Beginn des Feldversuchs 2012 mit dabei.

Matthias Lesse schließt die Plane des Anhängers

Gut gesichert

Matthias Lesse prüft noch einmal alle Spanngurte, mit denen seine Fracht gesichert ist. Dann verschließt er den Anhänger, und die Fahrt nach Braunschweig kann losgehen.

Lang-Lkw auf der Autobahn

Startschuss für Regelbetrieb

Seit dem 1.1.2017 sind Lang-Lkw vom Bundesverkehrsministerium auf bestimmten Strecken für den Regelbetrieb zugelassen. Das Streckennetz umfasst momentan 11.600 Kilometer.

Lang-Lkw auf Autobahnzubringer

Agil trotz Übergröße

Dank Sattelkupplung lenkt die erste Achse des hinteren Zugteils des Lang-Lkw mechanisch mit und unterstützt das Kurven. Der Wendekreis ist somit gerade einmal 20 bis 30 Zentimeter größer als bei einem herkömmlichen Truck.

Lang-Lkw auf dem Parkplatz einer Raststätte

Überzeugend auf ganzer Länge

Der Feldversuch mit Lang-Lkw ergab klare Effizienzgewinne – im Durchschnitt werden durch ihren Einsatz 15 bis 25 Prozent Kraftstoff gespart.

Bilder © Max Kratzer

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