Truck 

Wiedersehen macht Freude

Sie sind für Qualität bekannt. Sie gelten als speziell geeignet für den har-ten Einsatz im Bau. Der eine ist quasi ausgestorben. Der andere strahlt in sauberer Euro-5-Abgasnorm. Dabei haben sie einen historischen Berührungspunkt: 1915 beschlossen MAN und Saurer eine Zusammenarbeit, die kriegsbedingt nicht lange anhalten sollte. An Stammtischen und auf Bauplätzen hört man oft: «Die alten Euro-Null-Saurer haben viel weniger Most geschluckt als diese modernen, elektronisch gesteuer-ten Euro-Fünfer.» Sicher hatte man zu Saurers Zeiten die Motoren vor allem hinsichtlich Leistung und Verbrauch optimiert. Klar war Abgase auch ein Thema, aber nicht so vordringlich wie heute. Am 1. Oktober 2009 wird die Schadstoffkategorie Euro 5 für schwere Lastwagen Pflicht. Die Schadstoffemissionen haben sich bei einem Euro-5-Fahrzeug im Vergleich zu einem alten LKW beachtlich reduziert. Aber wie sieht es mit dem Verbrauch im Vergleich zur Transportzeit aus? Saurer gegen MAN – ein Freundschaftsspiel Ein rund 30-jähriger Saurer trat im Vergleichstest gegen einen neuen MAN TGS 35.440 8x4 BL an. Die Fahrzeiten und Verbräuche wurden nach Messpunkten der Strecke entlang ermittelt und festgehalten. Beide Vierachser wurden auf dasselbe Betriebsgewicht geladen. Sie hatten den identischen Reifentyp der Marke Goodyear Omnitrac MSD. Die Messinstrumente stammten von AIC Systems AG. Während der MAN mit einem automatisierten 12-Gang-TipMatic-Getriebe ausge-rüstet war, wurde die Übersetzung im Saurer über ein 16-Gang-Handschaltgetriebe gewählt. Heutigen Verhältnissen entsprechend ist der MAN mit 440 PS stattlich motorisiert. Sein alter Bruder hat eine Nennleistung von 315 PS, was in damaligen Zeiten ebenfalls zur oberen Klasse gehörte. Die Teststrecke Die Strecke führte von Thielle, wo beide Fahrzeuge exakt auf das Betriebsgewicht von 30,16 Tonnen geladen wurden, über die Landstrasse mit einigen Kreisverkehren zur Autobahneinfahrt Murten. Es folgte eine längere Etappe auf der A1 beziehungsweise A9 nach Düdingen und zurück ins Seeland. Die Fahrer hielten beide die Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ein und beschleunigten entsprechend aus Stellen wie etwa Kreisverkehren. Bergab liessen sie ihre Wagen bis auf maximal 85 km/h schieben. Im Leerlauf rollen lassen und schummeln war kein Thema. Wie gesagt: Freund-schaftsspiel. Richtung Vue des Alpes kam die Stunde der Wahrheit: Es ging steil berghoch. Auf der Vue des Alpes war die Testfahrt dann zu Ende. Die Messdaten wurden ausgewertet und von Nationalrat und ASTAG-Zentralpräsident – sowie MAN Beifahrer – Adrian Amstutz erläutert. Die Testergebnisse Nationalrat Amstutz betonte, dass im Bereich Umweltschutz ein wirklich grosser Quantensprung erfolgt sei: Ein Euro-5-LKW stösst im Vergleich zu einem Euro-0er einen Bruchteil an Schadstoffen aus; die Reduktion in Prozenten pro Stoff: Kohlenmonoxid (CO) –87,8%, Kohlenwasserstoff (HC) –82,3%, Stickoxide (NOx) –87,3%, Partikel (PM) –95% (Quelle: ASTAG). Auch im Bereich der aktiven sowie passiven Sicherheit gibt es viele bemerkenswerte Errungenschaften (Schutz nach aussen wie nach innen!). Zusammengefasst zeigten die Resultate, dass der Saurer für die 129 Kilometer 21 Minuten mehr benötigte als der MAN (bei 368 Kilometern spart der MAN also bereits eine Arbeitsstunde ein). Weiter, dass der Saurer – obgleich mit rund 30% weniger PS ausgestattet und 21 Minuten längerer Fahrzeit – im Durchschnittsverbrauch 12,3% höher lag. Bei gleicher Geschwindigkeit würde sich also eine noch viel grössere Differenz im Verbrauch ergeben. Gerade am Berg zeigte sich, dass der Saurer beachtlich mehr Treibstoff verbrannte. Die Bergfahrt enthüllte auch, dass der Saurer im steilsten Stück gerade mal 18 km/h (MAN 30 km/h) zustande brachte; der MAN fuhr, ohne gross ins Schwitzen zu kommen, einfach hinauf. Ökologie und Ökonomie Der MAN verursacht rund 30% weniger LSVA-Kosten als der Saurer. Das ist ein wirtschaftlicher Faktor – Sinn und Zweck der LSVA hin oder her. Für den Saurer mit 32 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fallen pro Kilometer exakt 98,24 Rappen an Schwerverkehrsabgabe an, leer oder beladen. Damit ist auch gesagt, dass sich Fahrzeuge der teuersten LSVA-Kategorie (Euro 0 bis 2) nur dann im Einsatz rechnen, wenn die Fahrleistung gering ist. Für Strecken über die Autobahn mit hohen Tonnagen kommen nur noch moderne LKWs in Frage. Das ist auch der Grund, warum viele Saurer-Kipper in den Osten ausgewandert sind und dort weiter ihren Dienst tun – ohne LSVA. Historische Bruderschaft Mit Vertrag vom 24. März 1915 war eine prädestinierte Zusammenarbeit recht-lich besiegelt: MAN und Saurer waren zu gleichen Teilen an der MAN Saurer Lastwagenwerke GmbH mit Sitz in Nürnberg beteiligt. MAN hatte damit einen starken Partner mit technischem Know-how und vielen wertvollen Erfahrungen zur Seite. Nutzfahrzeuge von zwei, dreieinhalb, vier und fünf Tonnen, motori-siert mit 30, 36 und 40 PS, wurden gebaut – im ersten Jahr 276 Wagen. Leider dauerte der Erste Weltkrieg länger als erwartet. Auf wirtschaftlichen und politischen Druck hin mussten sich Saurer und MAN trennen. Die entsprechenden Verträge wurden per 1. Juli 1918 aufgehoben. Am 13. August 2009 trafen sich zwei alte Bekannte erneut, ganz ohne politischen Druck. Ein Wiedersehen unter Freunden.

Für Fragen zum Strassentransportgewerbe steht Ihnen Nationalrat Adrian Amstutz gerne zur Verfügung (079 448 71 14).

Bilder von der Testfahrt unter www.man-mn.ch.