Innovation 

Der Kameraschrauber bei MAN

Die Erfindung zweier MAN-Mitarbeiter erleichtert das Arbeiten in der Lkw-Fertigung

Dirk Schupmann und Michael Bernoteit
Die Erfinder Dirk Schupmann und Michael Bernoteit aus Salzgitter

Viele Schritte sind nötig, um einen Lkw fertigzustellen – nicht alle von ihnen sind einfach. Ist eine Schraubstelle schwer zugänglich, bedeutet das eine körperliche Belastung für die Monteure. Zwei MAN-Mitarbeiter hatten eine gute Idee und entwickelten den Kameraschrauber, um die Arbeit ergonomischer zu gestalten.

Skizze des Kameraschraubers
Die erste Skizze von Schupmann und Bernoteit

Herausforderung

Über Jahre kletterten Mitarbeiter in die Montagegrube unter der Produktionslinie, um Abgasschalldämpfer an MAN-Lkw zu montieren, weil so die Schraubpunkte an den Lkw-Rahmen am besten erreicht werden konnten. Dann wurde die Euro-6-Abgasnorm eingeführt, und der Abgasschalldämpfer entsprechend modifiziert – die Bauteile wurden größer. Auf einmal war nicht mehr genug Platz in der Grube, und die Schraubstelle nur noch schlecht zu erreichen. Ein Problem, da die Bauteile unhandlich sind und die industrieüblichen Schrauber mit hohem Drehmoment etwa 5 kg wiegen.

Für die Monteure erschwerte sich dadurch die Arbeit erheblich und das Unfallrisiko stieg. MAN Truck & Bus legt jedoch besonders hohen Wert auf Ergonomie am Arbeitsplatz. Denn nur so lässt sich gewährleisten, dass Monteure bis ins Renteneintrittsalter in der Produktionslinie arbeiten und ihre langjährige Erfahrung einbringen können.

Wie aber könnte man den Produktionsprozess ergonomischer gestalten? Diese Frage stellten sich Dirk Schupmann und Michael Bernoteit, Prozessplaner bei MAN Salzgitter. Aus einer zündenden Idee wurde bald eine praktische Lösung, die schließlich beim 27. Deutschen Montagekongress in Nürnberg den Preis für „Die Beste Montage-Idee 2016“ erhielt.

Vorgehensweise

Über einer Tasse Kaffee überlegten Schupmann und Bernoteit gemeinsam, was man tun könne und kamen auf eine Idee: Man könnte den Arbeitsablauf quasi auf den Kopf stellen. Die Monteure sollten nicht länger unter dem Fahrzeugrahmen stehen müssen, sondern bequem aufrecht an der Linie. Eine Kamera am Schrauber könnte als zusätzliches Augenpaar des Monteurs dienen. So hätten sie die Unterseite des Lkw-Rahmens nach wie vor bestens im Blick.

Dirk Schupmann bedient Kameraschrauber
Um die Ecke geschaut: Dirk Schupmann am Kameraschrauber

Es dauerte nur sechs Monate, bis die Vision von Schupmann und Bernoteit von der ersten Skizze zum einsatzfähigen Werkzeug wurde, und der erste elektrische Schrauber mit Kamera, der Kameraschrauber, in der Produktion zum Einsatz kam. Neben der Kamera hatten die beiden noch eine weitere Innovation eingeführt: Statt eines Impulsschraubers kommt nun ein Elektroschrauber zum Einsatz, der das Nachziehen der Schrauben unnötig macht und zudem sehr leise arbeitet. Der Bediener sieht über den Bildschirm am Führungsgriff eines Teleskops jederzeit die genaue Position des Schrauberkopfes. So kann er die Stecknuss punktgenau aufsetzen und auf Knopfdruck und ohne jeden Kraftaufwand anziehen.

Was die beiden jedoch besonders freut, ist die hohe Akzeptanz des Kameraschraubers bei den Kollegen. Da der Schrauber leicht zu bedienen ist, brauchten die Monteure in Salzgitter gerade einmal zwei bis drei Stunden, um sich an die neue Arbeitsweise zu gewöhnen. Mit der neuen Technik schrauben die Werker nun schneller, mit höherer Genauigkeit und werden körperlich entlastet. Kein Wunder, dass sie sich die Arbeit ohne Kameraschrauber heute nicht mehr vorstellen können. Mittlerweile ist die gute Idee von Schupmann und Bernoteit auch in anderen Werken im Einsatz. Bei MAN in Krakau gehört das Werkzeug bereits zur Standardausrüstung.

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