Innovation  |  Technologie 

Faszinierende Routine

Großhandelskonzern METRO Österreich testet als weiterer Partner des MAN eTruck Projekts einen TGM 26.360 E im Großraum Wien.

Von der METRO-Zentrale in Vösendorf aus, ist der MAN TGM 26.360 E im Wiener Raum unterwegs.
Von der METRO-Zentrale in Vösendorf aus, ist der MAN TGM 26.360 E im Wiener Raum unterwegs.

Im Interview: Robert Steinbeiss, Senior Department Manager Delivery, METRO Cash & Carry Österreich GmbH

Der 26-Tonner ist der größte Lkw in der Flotte und beliefert täglich mehrere Großkunden.
Der 26-Tonner ist der größte Lkw in der Flotte und beliefert täglich mehrere Großkunden.

Hallo Herr Steinbeiss, draußen an der Rampe steht ein MAN TGM 26.360 E mit Kühlkofferaufbau, was genau stellt METRO mit dem an?

Robert Steinbeiss: METRO ist nicht nur Cash & Carry, also ein Mitnahmegroßmarkt, sondern seit rund 15 Jahren betreiben wir an allen zwölf METRO Standorten in Österreich auch Zustellgroßhandel. Wir beliefern Gastronomie und Hotellerie bundesweit mit circa 48.000 verschiedenen Artikeln – Food und Non-Food. Meine Abteilung in der METRO Zentrale hier in Vösendorf bei Wien unterstützt unsere Märkte dabei. Als Mitglied des Council für nachhaltige Logistik CNL nehmen wir am Feldversuch teil und unser Logistikdienstleister setzt den eTruck seit September 2018 für uns ein.

Da sind ganz unterschiedliche Fahrzeuge mit dem METRO-Logo zu sehen, wie passt der MAN eTruck dazu?

Robert Steinbeiss: Neben dem eTGM mit dem höchsten Gesamtgewicht gibt es vom 3,5- bis zum 18-Tonner alles. Diesen Mix benötigen wir, denn, wenn es zum Beispiel um die Citygastronomie mitten in Wien geht, sind Ladezonen für einen dreiachsigen Lkw kaum verfügbar. Allerdings liegt Vösendorf so günstig, dass wir von hier aus auch das ganze übrige städtische Umfeld bedienen können. Bei durchschnittlich 250 Kunden pro Tag gibt es da genug zu tun. Der eTruck beliefert täglich von Montag bis Freitag zwischen zehn und 15 unserer Großkunden, ist ordentlich ausgelastet, voll in die Flotte integriert und dabei nachhaltig und lokal emissionsfrei.

Unter anderem versorgt der eTruck auf seinen Touren verschiedene Gastro-Betriebe auf dem Gelände eines großen Einkaufszentrums.
Unter anderem versorgt der eTruck auf seinen Touren verschiedene Gastro-Betriebe auf dem Gelände eines großen Einkaufszentrums.

Gutes Stichwort: Nachhaltigkeit ist gerade in aller Munde, wie sieht das bei METRO aus?

Robert Steinbeiss: Das fließt in viele Bereiche des Unternehmens ein. Ganz offensichtlich wird es bei unserem mehrfach ausgezeichneten, neuesten und komplett nachhaltig erbauten „Null-Energie“-Markt in St. Pölten. Außerdem wollen wir innerhalb der nächsten sechs Jahre unseren Plastik-Fußabdruck entscheidend verringern, Einwegkunststoffe ersetzen und den Übergang zu einer geschlossenen Kunststoff- und Kreislaufwirtschaft fördern. Weiterhin haben wir uns dazu verpflichtet, bis 2025 im Unternehmen Lebensmittelabfälle um 50 Prozent zu reduzieren. Darüber hinaus steigern wir kontinuierlich unsere Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten, um Transportwege zu verkürzen.

Kurze Transportwege, dafür ist Elektromobilität ja wie gemacht, oder?

Robert Steinbeiss: In der städtischen Auslieferung auf jeden Fall. Seit 2017 gibt es in Wien den „METRO Express“, ein Konzept, bei dem wir mit kleineren Elektrofahrzeugen Expresszustellung anbieten. Das kam bei unseren Gastro-Kunden so gut an, dass wir es seit letztem Jahr auf Graz, Salzburg und Linz ausweiten konnten. Wir haben damit nicht nur beste Erfahrungen gemacht, sondern betreiben nebenbei auch die umweltfreundlichste Zustellflotte im österreichischen Handel. Der eTruck ergänzt diese perfekt und spart rund weitere 40 Tonnen CO2 pro Jahr für uns ein.

Für Ihre Kunden zählen zuverlässige und reibungslose Abläufe, kann man da „Experimente“ wagen?

Robert Steinbeiss: Ich denke, der Begriff Feldversuch wird oft missverstanden. Im Zentrum solcher Langzeit-Leistungsprüfungen steht ja eine Innovation, die bereits zu Beginn einen gewissen Reifegrad vorweist. Der MAN eTruck ist bei uns Stand Mitte Juni rund 12.000 Kilometer gelaufen. Ohne größere Probleme. Pro Tag ist er etwa 80 Kilometer unterwegs und geladen wird nachts an einer eigenen 43-kW-Ladestation. Wenn es technische Herausforderungen gäbe, wären wir bei der MAN-Niederlassung im nahen Leopoldsdorf sehr gut betreut. Was wir an Standzeiten für diesen Lkw haben, sind lediglich die im Voraus geplanten Servicetermine, die zum Versuch gehören.

Das hört sich ja fast schon wieder nach Routine an...

Robert Steinbeiss: Ja, in der Tat (lacht). Faszinierend finden viele Kolleginnen und Kollegen im Haus und ich persönlich den eTruck aber immer noch. Das scheinbar mühelose Anfahren, die deutliche Beschleunigung und das geschmeidige Bremsen ohne „Ruckeln und Schütteln“... und alles was man dabei hört, ist die laufende Transportkühlung, kaum lauter als ein Staubsauger!

Würden Sie, heute gefragt, wieder am MAN CNL eTruck-Projekt teilnehmen?

Robert Steinbeiss: Natürlich. Da die Zustellung ein Teil unseres Geschäftsfeldes ist und wir Voraussetzungen haben, die für die Langzeiterprobung des MAN eTruck passen, liegt es doch nahe, auch in diesem Bereich für „Neues“ offen zu sein. Es geht schließlich um Techniken, die uns zukünftig allen zu Gute kommen können. Letztendlich handelt es sich um ein Thema, das uns schlicht und ergreifend beschäftigen muss! Unternehmen haben mehr und mehr Verantwortung zu tragen, wenn es darum geht, ressourcenschonender mit unserem Lebensraum umzugehen. METRO nimmt diese Herausforderung an – jetzt und in Zukunft.

Robert Steinbeiss, Senior Department Manager Delivery, METRO Cash & Carry Österreich GmbH, ist für das eTruck-Projekt verantwortlich und berichtet von durchweg positiven Erfahrungen.

Morgens um 6.00 Uhr belädt Fahrer Arnold Tokacs den eTGM mit den vorgepackten Rollwagen...

Morgens um 6.00 Uhr belädt Fahrer Arnold Tokacs den eTGM mit den vorgepackten Rollwagen...

... und steuert heute als ersten Kunden ein nahegelegenes Business-Hotel an.

... und steuert heute als ersten Kunden ein nahegelegenes Business-Hotel an.

Arnold Tokacs fährt erst anderthalb Jahre Lkw, ist aber von seinem eTruck sehr angetan: „Ein nagelneuer Lkw mit dieser interessanten Technik, das ist natürlich eine tolle Sache.“

Arnold Tokacs fährt erst anderthalb Jahre Lkw, ist aber von seinem eTruck sehr angetan: „Ein nagelneuer Lkw mit dieser interessanten Technik, das ist natürlich eine tolle Sache.“

Bei der MAN Niederlassung in Leopoldsdorf könnte der eTGM eine Schnellladung abgreifen...

Bei der MAN Niederlassung in Leopoldsdorf könnte der eTGM eine Schnellladung abgreifen...

... musste er aber bisher noch nie, denn nach getaner Arbeit zapft er über Nacht Grünstorm an seiner eigenen Ladestelle.

... musste er aber bisher noch nie, denn nach getaner Arbeit zapft er über Nacht Grünstorm an seiner eigenen Ladestelle.