Im Interview  |  Technologie 

„Ich hole mir das Kundenfeedback direkt aus der Kiesgrube“

Florian Reiter, Segment Manager bei MAN Truck & Bus für Traktionsfahrzeuge, fährt samstags regelmäßig einen 8x4 Kipper auf Baustellen rund um München – um den direkten Kontakt zum Markt zu haben. Im Interview erzählt er stolz über die zehnjährige Erfolgsgeschichte des MAN HydroDrive®, dem ersten zuschaltbaren hydrostatischen Vorderachs-Antrieb.

MAN TGX Baufahrzeug

Früher gab es bei Lkw nur die Wahl zwischen einem Straßenfahrzeug oder einem Fahrzeug mit Allradantrieb. Häufig benötigen Fahrer aber nur ein bisschen mehr Traktion, zum Beispiel auf dem kurzen Weg in der Kiesgrube oder in einem Waldstück auf rutschigem und unbefestigtem Boden. Genau für diese Fälle hat MAN bereits vor zehn Jahren den HydroDrive® entwickelt und damit eine Marktlücke geschlossen. Florian Reiter, Wirtschaftsingenieur und Segment Manager bei MAN Truck & Bus, ist stolz auf die Traktionsfahrzeuge. Seine Begeisterung für Lkw hat er von seinem Vater – auch dieser hat bereits vor 25 Jahren bei MAN in dem Bereich gearbeitet.

Florian Reiter vor einem Lkw mit HydroDrive®

Herr Reiter, was ist der HydroDrive® und wie funktioniert er?

Der HydroDrive® ist ein zuschaltbarer hydrostatischer Vorderradantrieb, den der Fahrer über einen Drehschalter am Armaturenbrett aktivieren kann.
Das System ist sinnvoll für Fahrzeuge, die zeitlich begrenzt einen erhöhten Antriebsbedarf haben - zum Beispiel auf unbefestigtem, rutschigen Untergrund. Der HydroDrive® hat verschiedene Bauteile:
Eine Hydraulikpumpe, die am Getriebeausgang angebracht ist, Hydraulikleitungen, ein Kühlsystem und zwei Radnabenmotoren in der Vorderachse, die über den Öldruck das System antreiben. Wir reden hier von einem maximalen Systemdruck von 420 Bar. Bautechnisch ist das ein riesiger Unterschied zum Allradantrieb, der das über eine Kardanwelle und ein Verteilergetriebe bewerkstelligt.

Wie wird der HydroDrive® in der Praxis angewendet?

Der Fahrer legt einfach nur den Drehschalter um. Das ist einer der Vorteile im Vergleich zum Allradantrieb, den man nur im Stillstand bzw. bei entlastetem Antriebsstrang einlegen darf. Den HydroDrive® kann der Fahrer sowohl in der Rollbewegung, als auch unter Volllast einlegen.
Bis zu einer Geschwindigkeit von 28 km/h ist der HydroDrive® aktiviert - danach schaltet er sich automatisch wieder ab. Sobald die Fahrgeschwindigkeit 23 km/h unterschreitet, wird er automatisch wieder aktiviert.

Wo wird ein Fahrzeug mit Hydrodrive® typischerweise eingesetzt?

Ein typischer Einsatzbereich für den HydroDrive® ist die Baubranche: Kipper, Kippsattelzüge, Ladekrankipper, Kranfahrzeuge und Transportmischer. Auch im Kommunal- und Entsorgungsbereich ist der Hydrodrive® sehr verbreitet, also im Straßen- und Winterdienst und bei der Abfallentsorgung. Holztransportfahrzeuge sind vom Sägewerk zum Wald in der Regel auf befestigten Straßen unterwegs und brauchen den HydroDrive® auf Feldwegen, wo sie das Holz abholen. Und noch ein interessanter Bereich sind Tank- und Lieferfahrzeuge.
So kann das Milchsammelfahrzeug die Milch auch im Winter von den Bergbauern abholen, oder die Fahrer Getränke auch in den Bergen ausliefern. Feuerwehren, Katastrophenschutz und Rettungsdienste setzen häufig den HydroDrive® ein, speziell bei Abrollsystemen. So können verschiedene Container je nach Einsatzort aufgesattelt werden.

Gibt es auch ungewöhnliche Einsatzmöglichkeiten?

Der HydroDrive® ist in Skandinavien beliebt, dort gibt es große Weiten, Schnee und Kälte. Die Post transportiert dort ihre Pakete mit einem Sattelauflieger, der von einem MAN HydroDrive® gezogen wird. So kommen sie überall pünktlich an. Fernsehsender wie der Bayerische Rundfunk setzen für ihre Übertragungsauflieger eine HydroDrive®-Sattelzugmaschine ein, damit sie auch im Winter von überall senden können. Auch der Wachsauflieger der deutschen Nationalmannschaft im Biathlon wird von einem MAN Hydrodrive® gezogen.
Das Wachsen der Skier ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg. In dem Auflieger arbeiten die Materialwarte nah an den Athleten. Eine rollende Werkstatt sozusagen.

Florian Reiter in einem MAN TGS

Wie ist das Feedback der Kunden auf den HydroDrive®?

Die Aufbauhersteller, mit denen wir zusammenarbeiten, freuen sich, dass der HydroDrive® dank der einzigartigen Bauweise unterhalb der Rahmenoberkante bleibt und so Aufbauten leichter zu adaptieren sind. Die Unternehmer - also zum Beispiel die Straßenmeisterei oder ein Fuhrparkleiter - loben unsere große Produktpalette und haben Spaß daran, sich ihr Fahrzeug ohne Einschränkungen zusammenstellen zu können. Der Fahrer fühlt sich mit dem HydroDrive® gut aufgestellt. Wenn er in der Kiesgrube auf rutschigem Boden unterwegs ist, dann schaltet er den HydroDrive® dazu und kommt von alleine wieder raus.

Der HydroDrive® hat weniger Gewicht als ein Allradantrieb. Was bietet das für Vorteile?

Der HydroDrive® wiegt etwa 400 Kilogramm weniger als ein klassischer Allrad. Bei einem Kipper hat man beispielsweise 50 Prozent Leerfahrten, hier muss das Fahrzeug nicht die ganzen Bauteile „mitziehen“ und man spart eine Menge Sprit. Ein weiteres Plus: Durch das leichtere Fahrzeug kann man rund 400 Kilogramm mehr Nutzlast aufladen. Konkret bedeutet das: Wenn man am Tag 10 Fuhren hat, dann transportiert man vier Tonnen mehr. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch bare Münze.

Den HydroDrive® gibt es seit zehn Jahren. Welche Komponenten wurden weiterentwickelt?

Die größte Weiterentwicklung hat im Zuge der Umstellung von der Abgasnorm Euro 5 auf Euro 6 stattgefunden. Hier haben wir die gesamte Verrohrung optimiert. Das Hydrauliköl fließt durch ein Rohrsystem mit Schläuchen an den beweglichen Stellen. Jetzt haben wir eine Lösung entwickelt, die nur zweidimensionale Bewegungen der Schläuche erfordert. Das ist uns durch die Entkoppelung der Federung und Lenkungsbewegung gelungen.
Das reduziert die Wartungskosten noch einmal.

MAN ist mit dem HydroDrive® Pionier, andere Konkurrenten haben nachgezogen. Worin liegen die Vorteile von MAN?

Als Pioniere blicken wir auf zehn Jahre Erfahrung zurück. Durch die Bauart des HydroDrive® haben wir gegenüber Mitbewerbern einen entscheidenden Vorteil: Alle Komponenten des HydroDrive® bleiben unterhalb der Rahmenoberkante.
Das bedeutet, dass die Aufbauhersteller ihre Produkte problemlos aufbauen können und nicht anpassen müssen. Wir haben ein sehr großes Produktportfolio, das heißt wir können die gängigsten Fahrzeugvarianten anbieten in unterschiedlichen Bauhöhen - und die mit MAN HydroDrive® verbundenen Nebenabtriebe.

Haben Sie auch in Ihrer Freizeit mit Lkw zu tun?

Ich habe seit 15 Jahren den Lkw-Führerschein. Bei der Freiwilligen Feuerwehr kann ich mein Fachwissen als Maschinistenausbilder sehr gut einbringen. Gleichzeitig fahre ich einmal im Monat einen 8x4 Kipper auf einer Baustelle, um einfach den Praxisbezug nicht zu verlieren. Ich fahre bei einem Bekannten als „echter“ Trucker auf einer „echten“ Baustelle mit. Ich darf somit die ganze Bandbreite des Tagesablaufs eines Fahrers miterleben - und das kann ich natürlich ganz gut in meinen Arbeitsalltag als Product Manager für Baufahrzeuge einbringen. Zudem besitze ich zusammen mit meinem Vater und meinem Bruder einen Oldtimer: einen MAN Kurzhauber.
Der macht auch jetzt noch ziemlich Eindruck auf der Straße.

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